E-paper - 12. Juni 2019
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Aufschließen und einziehen

Schnell ins eigene Heim – Verbraucher-Experte: Regionale Anbieter berücksichtigen

Die Fußböden sind bereits verlegt, die Wände tapeziert und alle Sanitär- und Elektroinstallationen ohnehin längst abgeschlossen. Es fehlen eigentlich nur noch die Möbel, eine Küche und der glückliche Eigenheimbesitzer, um das neue Zuhause mit Leben zu füllen.

Schlüsselfertiges Bauen bedeutet, dass die Baumaßnahmen „von Baubeginn bis zur Fertigstellung“ von einem Vertragspartner als Generalunternehmer ausgeführt werden. Nach Fertigstellung wird die Immobilie dem Bauherren „schlüsselfertig“ übergeben. Der Begriff „schlüsselfertig“ ist jedoch rechtlich nicht eindeutig definiert, sagt der Verband zur Qualitätskontrolle am Bau.

Grad der Fertigstellung ist unterschiedlich

Der Fertigstellungsgrad ist von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich und kann Malerarbeiten, Einbauküche, Bodenbeläge, Gartenanlage etc. enthalten oder auch nicht. Entscheidend ist, was in der Baubeschreibung steht. Bauherren sollten daher sicherstellen, dass der Übergabezustand des Hauses darin klar definiert ist und der Eigenleistungsanteil ihren Vorstellungen entspricht.

Wird ein Haus jedoch als „bezugsfertig“ angeboten, bedeutet dies, dass es „ohne Gefahr für die Sicherheit und Gesundheit seiner Bewohner auf Dauer bewohnt werden kann. Es müssen daher Türen, Fenster, Strom, Licht und Wasser sowie eine funktionsfähige Heizung, Kochmöglichkeit, Sanitäranlagen (Bad, Toilette) und sichere Zugänge fertiggestellt sein.“

Viele der als schlüsselfertig angebotenen Häuser sind Fertighäuser. Die Nachfrage ist derzeit so hoch wie schon lange nicht mehr. „Jeder fünfte Bauherr eines Ein- oder Zweifamilienhauses in Deutschland entscheidet sich für ein Fertighaus – die meisten davon für eine schlüsselfertige Bauausführung“, sagt Christoph Windscheif vom Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF). Ein Wunsch der meisten Baufamilien: Schnell und komfortabel ins eigene Heim.

„Es ist keine Seltenheit im Fertighausbau, dass schon am Tag der Schlüsselübergabe der Möbelwagen vorfährt und nur wenige Stunden später bereits die erste Nacht im Eigenheim verbracht wird“, weiß Windscheif. Auf Wunsch nennt der Haushersteller den fixen Fertigstellungstermin schon Monate vorher beim Vertragsabschluss. Die alte Wohnung kann also fristgerecht gekündigt und der Umzug gründlich vorbereitet werden. Alle Abläufe während der Hausbauphase sind gut strukturiert und planbar.

Fertighaus minimiert eigene Zeit auf Baustelle

In vielen anderen Baufamilien ist der Hausbau dagegen eine echte Belastungsprobe: Gemeinsamer Feierabend und Wochenenden, Freunde und Hobbys fallen einem möglichst zügigen Baufortschritt zum Opfer. Je mehr Arbeiten selbst verrichtet werden, desto länger hält die Extremsituation an und umso höher ist auch das Fehlerrisiko – vor allem bei weniger erfahrenen Heimwerkern.

Im Fertighausbau wird die Zeit auf der Baustelle selbst auf ein Minimum reduziert. Das gilt sowohl für den Bauherrn als auch für den Haushersteller. Gerade einmal zwei Werktage dauert es, dann steht auf dem Baugrundstück bereits ein wetterfester Rohbau, der aus industriell vorgefertigten Dach-, Wand- und Deckenelementen zusammengefügt wird. „Die Vorfertigung in trockenen Werkshallen und unter Einhaltung streng überwachter, industrieller Produktionsabläufe spiegelt sich in einer überdurchschnittlich hohen Bauqualität wider“, so der BDF-Experte. Nach Vorfertigung und Montage des Rohbaus kann sich der Bauherr daran erfreuen, wie das gesamte Äußere seines neuen Zuhauses Schritt für Schritt das gewünschte Aussehen erhält, ohne dass er dabei selbst Hand anlegen muss.

Die Fertighaus-Branche ist groß, viele präsentieren sich auf Musterhaus-Ausstellungen. Dort erhalten künftige Bauherren aber häufig nur einen kleinen Einblick. Peter Burk, Fachbuchautor für die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, rät daher, die Auswahl auszuweiten. So sind seinen Angaben zufolge in diesen Schauen vergleichsweise wenig massive Häuser vertreten, sondern bevorzugt die Holzbauweise.

Örtliche Anbieter nutzen

Das hat Gründe: „Es gibt bei Massivhausanbietern viele lokale Anbieter, und vor allem viele kleine Firmen“, sagt Burk. Sie könnten sich ein Ausstellungshaus oft nicht leisten. „Diese kleinen Betriebe sind deswegen nicht schlechter.“ Das gelte auch für regionale Holzbaubetriebe.

Burk rät immer auch zur regionalen Firmensuche in den Branchenbüchern statt nur im Internet – unter den Stichwörtern „Schlüsselfertigbau“ oder „Holzbau“. Die Internetplattformen lieferten oft keine neutrale regionale Gewichtung, und gerade große überregionale Firmen übertrumpften die Anzeigen der kleinen örtlichen Anbieter.red/dpa

Fraenkische Zeitung vom Mittwoch, 12. Juni 2019, Seite 6 (10 Views)

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